Was sind eigentlich Kundens?

Sicherlich sind Sie beim Lesen auf unserer Website bereits das eine oder andere Mal über die ens-Form gestolpert. Hierbei handelt es sich nicht um einen Tippfehler, sondern um eine neue – und wie wir finden innovative und vielversprechende – Möglichkeit zur Ausgestaltung einer genderneutralen Sprache. Doch woher kommt die ens-Form und wie funktioniert diese?

Woher kommt die ens-Form?
Im Rahmen unserer Recherchen zum Thema diskriminierungsfreier Kommunikation und Gender, sind wir auf das Buch Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich Gendergerecht? Ein Praxis-Handbuch zu Gender und Sprache von Lann Hornscheidt und Ja’n Sammla gestossen (siehe Bibliographie weiter unten in diesem Artikel). Hornscheidt und Sammla stellen darin mehrere Strategien für gendergerechtes Formulieren in der Praxis vor. Unter anderem eben auch die ens-Form in der Gender gar nicht erst vorkommt und somit genderneutral ist.

Wie funktioniert die ens-Form?
Die Idee hinter der ens-Form ist, dass hinter ein Wort – zum Beispiel eine Berufsbezeichnung – das Wort Mensch bzw. als verkürzte Form der Mittelteil des Wortes Mensch, also ens, angehängt wird. Also ganz ähnlich, wie bereits schon seit längerem, wenngleich zumeist in einer scherzhaften Form, das Wort Büromensch als Bezeichnung für eine in einem Büro arbeitende Person, Eingang in die deutsche Umgangssprache gefunden hat. Doch geht die ens-Form noch einen Schritt weiter und erlaubt die Verwendung von ens zusätzlich auch als Endung für Adjektive und als Pronomen. Hier einige Beispiele:

Konventionelle Form –> genderneutrale Form
1) Kundin / Kunde –> Kundens
2) Kundinnen / Kunden –> Kundens
3) Gärtnerin / Gärtner –> Gärtnens
4) Gärtnerinnen / Gärtner –> Gärtnens

Die ens Form unterscheidet nicht zwischen singular und plural. Wir finden das aber ok, da sich die Individuenzahl ohnehin zumeist aus dem Kontext oder der Grammatik des jeweiligen Satzes leicht herleiten lässt.

Konventionelle Form –> genderneutrale Form
1) Kims Mutter möchte ihr ein Buch zum Geburtstag schenken –> Kims Elter (anstatt Mutter oder Vater) möchte ens ein Buch zum Geburtstag schenken.
2) Der Kellner war sehr freundlich –> Dens Kellnens war sehr freundlich
3) Ihr Velo ist kaputt, deshalb möchte sie ein Neues –> Ens Velo ist kaputt, deshalb möchte ens ein Neues.

Nun wird sich dens einens oder anderens vielleicht Fragen, was das mit unserer ‘schönen deutschen Sprache’ macht. Und ja, für die meisten nativens Sprechens mag sich die ens-Form in der Tat zunächst zunächst falsch anfühlen und im Ohr ein sprichwörtliches grammatikalisches Alarmklingeln auslösen. Aber – aus eigener Erfahrung – können wir sagen: Man gewöhnt sich sehr schnell dran 🙂 und bisweilen macht es sogar Spass.

Wir glauben jedenfalls, dass diese Umgewöhnungsphase die manch einens sicherlich zunächst schwerfallen wird ein fairer Tausch ist für eine gerechtere und diskriminierungsfreie Kommunikation.

Bibliographie
Hornscheidt, Lann; Sammla, Ja’n (2021): Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich gendergerecht? ein Praxis-Handbuch zu Gender und Sprache, 1. Auflage. Hiddensee: w_orten & meer.